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Wie funktionieren die Vereinigten Nationen (UN) und der Sicherheitsrat?

Welches ist die Rolle der UN in der Irakkrise?
Verfügt der Irak über Massenvernichtungswaffen, die er der Welt verheimlicht? Ja, behauptet die Bush-Administration. Die UN-Inspektoren werfen dem Irak nur Verschleppung der Abrüstung illegaler Rüstungsprogramme vor, was keinen Krieg der USA rechtfertigt. Militärische Aktionen zur Durchsetzung von UN-Resolutionen kann nur der Sicherheitsrat beschliessen. Nachdem der Irak den Krieg verloren hatte und sich aus Kuwait zurückziehen musste, beschloss er, der Irak müsse die Massenvernichtungswaffen verschrotten. Die UN-Resolution 1441sieht «ernste Konsequenzen» vor, falls der Irak dies nicht tut und nicht beweist, dass er es getan hat.
http://www.un.org/Depts/german/sr/sr_02/sr1441.pdf

Was tut der Sicherheitsrat?
UN bedeutet United Nations oder Vereinigte Nationen. Die UN vertreten 191 von total 211 Staaten. (Bei den Nicht-Mitgliedern handelt es sich in der Regel um Staaten, die noch nicht > souverän sind, z. B. Palästina, der Vatikanstaat und Gibraltar. Taiwan ist souverän, aber noch nicht anerkannt.) Der UN-Sicherheitsrat ist die Exekutive dieser Staatengemeinschaft, die UN-Generalversammlung das Parlament (= die Legislative) und die UN-Charta die Verfassung. Der Sicherheitsrat kann für alle 191 Mitgliedstaaten verbindliche Beschlüsse fassen und diese notfalls mit Gewalt durchsetzen.

Wie ist der Sicherheitsrat zusammengesetzt?
Er besteht aus 15 Vertretern von Mitgliedsländern. Ständige Mitglieder im Sicherheitsrat sind China (Asien), Frankreich (Europa), Vereinigtes Königreich von Grossbritannien und Nordirland (Europa), Russland (Europa/Asien) sowie die Vereinigten Staaten (Nordamerika). Weitere 10 Mitglieder werden auf zwei Jahre von der UN-Generalversammlung gewählt. Aktuelle nichtständige Mitglieder sind: Angola (Afrika), Bulgarien (Europa), Chile (Südamerika), Deutschland (Europa), Guinea (Afrika), Kamerun (Afrika), Mexiko (Nordamerika), Pakistan (Asien), Spanien (Europa) und Syrien (Asien). Der Vorsitz wechselt jeden Monat.

Wie funktioniert der Sicherheitsrat?
Der Sicherheitsrat kommt fast täglich in New York (USA) zusammen. Seine Aufgabe ist die Bewahrung - respektive Wiederherstellung - des Weltfriedens: Der Sicherheitsrat kümmert sich um die internationale Sicherheit und untersucht Auseinandersetzungen zwischen Ländern. Er beschliesst Resolutionen und Sanktionen, zum Beispiel Einfuhrsperren oder militärische Aktionen. Jedes Land hat im Sicherheitsrat 1 Stimme, egal, wie gross es ist. Resolutionen benötigen eine Mehrheit von mindestens 9 Stimmen. Wenn jedoch eines der 5 ständigen Mitglieder das Veto einlegt, das heisst gegen eine Resolution stimmt, so kommt diese auch mit 9 Stimmen nicht zustande.

Was hat der Sicherheitsrat erreicht?
- UN-Resolutionen haben zur Abschaffung der Apartheid in Südafrika geführt.
- In den letzten fünfzig Jahren kam es zu 53 friedenserhaltenden UN-Einsätzen. Zur Zeit sind auf allen Kontinenten 40000 UN-Blauhelme im Einsatz. Zu den erfolgreichsten Friedensmissionen zählen die UN-Aktionen in Ost-Timor (ehemals Indonesien) sowie im Kosovo.
- Als Folge der Kriege in Ex-Jugoslawien und Ruanda hat der Sicherheitsrat zwei Kriegsverbrechertribunale (= Judikative) eingerichtet.

Was wird am Sicherheitsrat kritisiert?
- Das Vetorecht bevorteilt die 5 ständigen Mitglieder. Diese wehren sich gegen einen ständigen Sitz für Deutschland und Japan. UN-Sanktionen gegen ein ständiges Mitglied sind nicht möglich.
- Viele Konflikte hat der Sicherheitsrat nicht verhindern können: Am Ende des 20. Jahrhunderts wurden weltweit 31 Kriege geführt.
- Kriege werden seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem innerstaatlich ausgetragen. Das heisst, Rebellen kämpfen gegen die Streitkräfte der Regierung. In solche Kriege kann der Sicherheitsrat oft nicht eingreifen.
- Der Sicherheitsrat verhindert die Eroberung Palästinas durch Israel nicht.
- Völlig versagt hat der Sicherheitsrat in Ruanda. Diesem Völkermord sind 1994 eine halbe Million Männer, Frauen und Kinder zum Opfer gefallen.

Die Kritik gilt eigentlich der UN-Charta. Auch die Mitgliedsländer geben dem Sicherheitsrat zu wenig politischen Spielraum.

© Rolf Oberhaensli Lucerne